„Und wenn es sich gemäß den Zeiten und Bedürfnissen ergeben sollte, etwas neu zu ordnen oder etwas anders zu machen, tut es klug und nach guter Beratung.“
Aus dem letzten Testament von Angela Merici (1539), der Gründerin des Ursulinenordens

 

Inhalt: "Personen"
Zitate zur St. Ursula-Schule
Mater Theresia Breme
Mater Ignatia Breme
Frauenort Haselünne
Bedeutende Schülerinnen
Der Maler Horst Janssen

 
 

Der Schulaltbau in den 1930er Jahren
Fundstelle: Bibliothek des Ursulinenklosters Haselünne, Paulusweg 43

 

 

Mater Theresia Josefa Breme


    Mater Theresia geb. Josefa Breme wurde 1873 in Recke/Westfalen geboren. Sie verbrachte ihre Schulzeit bei den Ursulinen in Nijmegen. Sie gehörte zu den ersten Schwestern, die nach dem Exil in Nijmegen in das Haselünner Kloster eintraten.

    Als 20 jährige trat sie im Jahre 1893 dem Haselünner Konvent bei. ihre Profess feierte sie im Jahre 1895. Sie nahm schon 1900 das vom Staat geforderte Hochschulstudium auf und gehörte wie auch ihre Schwester Ignatia Breme zu den ersten Schwestern mit dem entsprechenden Abschluss.

    Mater Theresia leitete die St. Ursula-Schule von 1904 bis 1950 und war von 1904 bis 1929 auch Oberin des Klosters. Damit den Wiederaufbau nach den beiden Weltkriegen organisieren musste.

    Mater Ignatia Breme, die Schwester von Mater Theresia Breme, war in der Zeit von 1917 bis 1923 Oberin des Klosters, während Mater Theresia Schulleiterin blieb.

    Eine weitere leibliche Schwester von Mater Theresia und Mater Ignatia ist Mater Josefa Agnes Breme (1885-1964). Sie wurde zwar ebenfalls in Haselünne Ordensschwester, lehrte aber in Danzig und nach dem Krieg in Wipperfürth. An beiden Orten war sie Schulleiterin.

    Mater Theresia entwickelte die St. Ursula-Schule von der Höheren Töchterschule zum Mädchengymnsium. Schon 1919 legten die ersten in Haselünne ausgebildeten Mädchen die externe Reifeprüfung ab. Im Jahre 1927 fand das erste Abitur in Haselünne statt. Die St. Ursula-Schule war nun Oberlyceum.

    Um die Schülerinnen entsprechend den preußischen Lehrplänen auf das Abitur vorzubereiten, wurde im Jahre 1910 unter der Leitung von Mater Theresia das Schulhaus im "Großen Garten" gebaut. Es enthielt Fachräume wie den Physik- und Zeichensaal sowie Klassenräume und Schlafzimmer für die internen Schülerinnen.


    A. J. Ursula Becher, Privatdozentin an der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum untersuchte die Bildungschancen junger Mädchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts u.a. am Beispiel der Haselünner Ursulinenschule: In ihrer Abhandlung „Zwischen Autonomie und Anpassung“ schreibt sie: „Die Abiturkurse entwickelten sich zum werbewirksamen Vorzug der Schule. Mädchen und Frauen aus anderen Regionen Deutschlands, die nicht selten in ihrer heimischen Ursulinenschule auf diese Möglichkeit hingewiesen worden waren, entschlossen sich zu dem in Haselünne angebotenen Bildungsweg. Zwischen 1919 und 1927 legten 99 Schülerinnen die externe Reifeprüfung ab, (…) Zwischen 1919 und 1932, dem Zeitraum, in dem die Geburtsjahrgänge von 1900 bis 1910/11 ihre Schulzeit abschlossen, haben insgesamt 155 Abiturientinnen die Schule verlassen.“

    Zur Schule selbst schreibt sie: „Sicher kann man unterschiedliche Eindrücke gewinnen - Tendenzen in Schule und Unterricht, die Schülerinnen gegen die angeblichen Gefährdungen der Moderne zu immunisieren, sind unverkennbar - , aber unter den Haselünner Schwestern waren beeindruckende Persönlichkeiten, die den Anspruch einlösten, ihre Schülerinnen zu eigenständigen, verantwortungsbewußten Menschen zu erziehen. So definierte eine Schülerin im Rückblick das Erziehungsziel, auf das hin ihr Leben in der Ursulinenschule ausgerichtet gewesen war. Der Religionsunterricht bei Mater Theresia Breme, der überragenden Persönlichkeit der Schule, war offenbar so überzeugend und intellektuell anspruchsvoll, daß eine ehemalige Schülerin später sagen konnte: "Mein Denken hat sich weiterentwickelt, aber die Konstanten, die ich in Haselünne erwarb habe ich nicht verrücken müssen." Den Nachdenklichen und Zweifelnden freilich, die ihren Zweifel aussprachen und die angebotenen Frömmigkeitsformen für sich ablehnten, wurde ein weiter Raum der Freiheit zugestanden, ihren eigenen Weg zu finden.“

    Und weiter zur Person von Mater Theresia: „An Mater Theresia Breme (Jg. 1873) läßt sich die Vielfalt der Aktivitäten studieren. Sie war Lehrerin, Ordensschwester, Schriftstellerin und als Leiterin von Schule und Kloster in schwierigen Zeiten einer Unternehmerin vergleichbar. Mit Souveränität und Geschick verhandelte sie mit Staat und kirchlichen Behörden, bis im Jahre 1941 auch ihre Kunst am Ende war.“

    Quelle: Ursulinenkloster Haselünne

(c) vg - Initiative zum Erhalt des Schulaltbaus am Kreisgymnasium St. Ursula